Interview mit Mahmoud

(english)

Ein syrischer Freund hier in Deutschland erwähnte Mahmoud (Name geändert) vor einigen Monaten. Er lebte damals in Damaskus und unternahm in den letzten Monaten alles nur Erdenkliche, um syrische Flüchtlingsfamilien zu unterstützen, die in seinem Stadtteil Unterschlupf suchten – oft aus ihren eigenen, eingestürzten Häusern vertrieben.

Da dieser Teil der Stadt noch von der Assad treuen Armee kontrolliert wird, und nur über Kontrollpunkte verlassen und betreten werden kann, war Mahmoud jeden Tag mit den Gefahren konfrontiert, die mit der Beschaffung von Nahrung für die bei ihm untergebrachten Familien einhergingen. Wie würdest du dem bewaffneten Soldaten, der deinen Ausweis kontrolliert, erklären, warum du jeden zweiten Tag einen riesigen Sack Reis von einer Seite auf die andere trägst? Wie würdest du die Frage: “Wen versteckst du?” beantworten?

Mahmoud saß immer in einem Zimmer seines Hauses. Im Skypefenster meines Bildschirms konnte ich immer ein Fenster an seiner Seite sehen. Immer wenn ich ihn auf die Seite, aus dem Fenster hinaus blicken sah, konnte ich sicher sein, im nächsten Moment das Geräusch eines Flugzeugs, eines Hubschraubers oder einer Explosion zu hören.

Irgendwann im Dezember gab es kein Verstecken mehr. Mahmoud war enttarnt, Nachbarn haben ihn verraten und er wurde vom Regime gesucht. Er musste mit seiner Familie fliehen. Einige Tage später kam er im Libanon an, ohne Geld, ohne Unterkunft. Er und seine Familie sind nun selbst Flüchtlinge, angewiesen auf die Hilfe anderer.

Hör zu, was er erzählt:

Anfang 2013 veröffentlichte UNHCR die offiziellen Zahlen der syrischen Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern: 638,286 Personen. Mit 15. Januar waren davon 206,666 im Libanon registriert.

Mit Anfang März überschritt die Zahl syrischer Flüchtlinge die Grenze von einer Million – 336,997 von ihnen flüchteten in den Libanon!

“UNHCR registriert täglich durchschnittlich 1.500 Flüchtlinge in den vier Registrierungszentren im ganzen Libanon. Wegen des immensen Andrangs werden diese Kapazitäten noch weiter ausgebaut. Kommen Familien gerade aus Syrien an und sind noch nicht registriert, werden sie auch weiterhin von UNHCR und Partnern unterstützt. Büros von UNHCR arbeiten landesweit sehr eng mit regionalen Partnern in Gemeinden und mit Privatpersonen zusammen, um den am meisten gefährdeten, nämlich den nicht registrierten Flüchtlingen helfen zu können. Durch die Zusammenarbeit mit Dar el Fatwa in Bekaa und der Gemeindeleitung in Dinneh im Norden Libanons beisöpielsweise kann UNHCR auch diesen unregistrierten Flüchtlingen Gebrauchsgüter wie Decken, Matratzen und Küchenartikel zukommen lassen.” (UNHCRWeeklyUpdate-2013-01-04)

In Ländern wie dem Libanon ist das Leben für syrische Flüchtlinge sehr schwierig. Das Essen ist sehr teuer und es mangelt an bezahlbaren Unterkünften. So viele Menschen brauchen Unterstützung, die Bürger des Libanons können diese Aufgabe unmöglich alleine bewältigen. Sogar die UN hat große Probleme, den nötigsten Bedürfnissen der syrischen Flüchtlingen gerecht zu werden: die Mitarbeiter können neue Flüchtlingsfamilien zwar registrieren, aber müssen allzuoft gleichzeitig erklären, dass sie im Moment nichts weiter für sie tun können, da sie selbst auf Versorgung warten.

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