Thomas Rassloff – live from Aleppo, Syria

(deutsch)

How does it feel working as a journalist in war areas like Syria, in a city like Aleppo, where you kind of count on a deadly attack the next moment? Thomas Rassloff, photographer from Germany, already went several times to Syria since the revolution started and brings us insights at first hand about the situation there.

He is there right now again, back in Aleppo, risking his life so that we can get at least a climpse of reality, so that we can get to know a piece of truth.

Besides working in his profession as photographer, he is also writing about the big and small events he is encountering while being there, the adventures you come acrosse working in a war zone. He is publishing these small texts on his facebook site (www.facebook.com/ThomasRassloff). With his permission we are proudly presenting them here as well – in German.

Thank you so much and take care of yourself! Thomas Rassloff live from Aleppo:

Take a look at his great photographs on flickr:

© by Thomas Rassloff 2013

Aleppo, 22.03.2013:
2 years after the revolution against Assad’s regime started, people Aleppo / Bustem Al Qasr are still demonstrating peacefilly for a change, for peace and freedom.

Aleppo, 23.03.2013:
Frontline in Old City, Lwh Al Sham Brigade

Aleppo, 24.03.2013:
Frontline in Old City, police station, new police uniforms, fake Dollars, car mechanics, destroyed house by an air attack the day before

Aleppo, 26.03.2013:
exchange of prisoners at the Turkish border

Aleppo, 27.03.2013:
everyday life at frontline

Aleppo, 28.03.2013:
everyday life in Ansari, problems with water, food and petrol, Amria Frontline, showing Lewa Ansar Mohamad, Katiba Al Shahed mosaabalahmad and their Leader Abu Ahmed

Aleppo, 29.03.2013:
friday demonstration in Bustan Al Qasr

Aleppo, 30.03.2013:
air attack in Ansari

Bab Al-Salama Border, 02.04.2013:
Bab Al-Salama, border between Syria and Turkey, refugee camp

Besides, here the links to know more about Thomas Rassloff:
Facebook
official page
flickr

Tag 1, 21.03.2013

Meine Ankunft im APC am Donnerstag, den 21.03.2013, nach einer teuren aber sicheren Anreise mit Allahedin.

Einiges hat sich geändert seit meinem letzten Aufenthalt. Am tiefgreifendsten ist mit Abstand die Ermordung von Abdullah Alyasin, dem Gründer und Chef vom Aleppo Press Center. Er war nicht nur ein beliebiger Pressekontakt, Abdullah war für mich überhaupt mein erster Kontakt in Aleppo und gegen alle Vorurteile, er wäre zu teuer – ich musste im November nichts bezahlen, ich musste im Dezember nichts bezahlen und im Januar/Februar hatten wir die Vereinbarung, dass ich pro abgeschlossener Story zahle. Gesagt getan, letztendlich habe ich für zwei Storys bezahlt.

Nun sitzt der Haupttäter im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess, der soll in den nächsten Tagen oder Wochen stattfinden. Will ich ihn sehen, den Mörder eines Kollegen??? Wenn ich den Einschätzungen der Leute hier vor Ort Glauben schenken darf, wartet auf den mutmaßlichen Täter die Todesstrafe. Da sind die Autoritäten hier zu Lande relativ kompromisslos.

Vielleicht bekomme ich die Möglichkeit, den Prozess zu beobachten, nicht nur weil ich Abdullah, das Opfer, kannte, auch weil viele Institutionen an Transparenz und Öffentlichkeit interessiert sind. Mal abwarten, was sich die nächsten Tage ergibt. Und was Yosef, der neue Chef vom APC so organisieren kann.

Naja jetzt wo Yosef das APC leitet wurde das Büro vom 1.Stock in den 2. verlegt. Unten sind nur noch Schlafräume und die Dusche. Die funktioniert, vorausgesetzt Wasser und Strom stehen zur Verfügung.

Tag 2, 22.03.2013

Shit, es ist Freitag, islamischer Feiertag vergleichbar mit Sonntag in Deutschland.demonstration © Thomas Rassloff 2013-03-22
Also freitags da gibt es natürlich das tradionelle Freitagsgebet und seit Beginn der Revolution in Syrien gibt es eine neue Tradition, die Freitagsdemonstrationen. Auf den Freitagsdemos wird von Anfang an friedlich gegen das Regime von Präsident Bashar Al Assad demonstriert. Und in den letzten Monaten nicht nur gegen die Diktatur, auch werden die Stimmen lauter, die sich gegen die Vereinnahmung der Revolution durch islamistische Gruppen, wie Jabat Al Nusra und andere Islamisten wenden.

In vielen Regionen und in vielen Bereichen versuchen islamistische Gruppen mehr Einfluss zu gewinnen. Und desto länger der Westen die Opposition nicht unterstützt, desto mehr gewinnen die radikalen an Boden und Einfluss, sagen die gemäßigten Personen.

Tag 3, 23.03.2013

Nachtrag zum Tag 2 – 22.03.2013, auch wenn ich Obst und Gemüsehändler fotografiert habe – heißt das nicht, dass sich das jeder in Aleppo leisten kann. Viele Dinge sind wesentlich teurer als zuvor, also vor dem Beginn der Revolution und dem Krieg, das einzige was hier billig ist, sind Zigaretten. Leider bin ich Nichtraucher und kann somit diesen einen Vorteil nicht nutzen.

Also Tag 3, 23.03.2013, kurzer Ausflug zur Altstadt um zu schauen, da dort den Tag zuvor ein Viertel erobert wurde mit einer großen Moschee und einer alten Kirche.
Unser Tour-Begleiter von einer FSA Brigade hat uns durch die neu eroberten Sehenswürdigkeiten geführt, und noch großen Wert darauf gelegt, dass sie, die Rebellen, die Kirche nicht beschädigt haben; dass das syrische Volk schon immer Multikulturell war und ist und bleiben wird.
Die Schäden am Kirchendach kommen vom Mörserbeschuss der Regime-Assad-Seite – so erklärte es der junge Mann.
Der FSA Brigade-Chef hat gesagt, wir sollen morgen wiederkommen, also am 24.03. Also zurück zur Unterkunft.

Auf dem Rückweg hab ich noch schnell eingekauft, 1 gegrilltes Hähnchen kostet ca. 6 Euro und 1 Kilo Tomaten + ein Bündel Petersilie ca. 1 Euro.
Das zeigt, wie teuer hier Lebensmittel sind, fast Berliner Verhältnisse.
Auf flickr hatte ich geschrieben, dass wir in Shaihk Saeed waren, hatte ich nur falsch verstanden – so was passiert, wenn man nur bruchstückhaft arabisch versteht.

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633069901258/

Tag 4, 24.03.2013

Frühes Aufstehen, um noch einmal eine Runde durch die Altstadt von Aleppo zu machen. Aber schon der Hinweg war etwas chaotischer als erwartet.

Irgendwie wollte einer der FSA-ler nicht mit dem Taxi in die Altstadt und musste sich ein Auto von einem Kollegen besorgen, was natürlich seine Zeit braucht. Mit etwas Verspätung, was hier offensichtlich Normalität ist, waren wir dann auf dem Weg zur Altstadt. Wir heißt in diesem Fall Abdullahs Bruder und ein italienischer Fotograf, sowie zwei FSA-ler der Brigade.destruction © Thomas Rassloff 2013-03-23

Auto abparken und dann gehts los, wie man das aus dem TV kennt, durch irgendwelche Löcher kriechen, Treppe auf, Treppe ab, über Hinterhöfe durch Sniperzonen rennen, um dann irgendwo mitten in der Altstadt zerstörte Häuser zu besichtigen.

Und auf dem Weg lag dann noch das provisorische Front-Hauptquartier der Brigade, dort wurden uns die selbst gebauten Mörsergranaten verschiedener Größen, Rakete mit Abschussvorrichtung und selbst fabrizierte Handgranaten bzw. Sprengsätze gezeigt. Dann gab es noch eine kleine Ansprache vom Kommandanten.

Was noch erzählt werden muss, im extremen Wiederspruch zur Situation von Krieg, Gefahr und Zerstörung – die Jungs verstehen Spass, und es vergeht keine Minute ohne irgendwelche Faxen. Es wird viel gelacht, man könnte denken, man ist auf einem Männerausflug nur ohne Frauen und ohne Alkohol. Vielleicht kann man nur so die Gesamtsituation von Tot, Sterben und Verwundung seiner Freunde ertragen bzw. einfach alles verdrängen und jede Minute genießen und lachen, einen Augenblick später könnte es vorbei sein.

Später wurden noch Brandsätze selber gebaut. Von westlichen Waffen oder modernen Waffensystemen keine Spur, obwohl so einiges in den westlichen Medien zu lesen war. Dann weiter doch die Löcher – von einem Scharfschützenposten zum nächsten, und zum Höhepunkt, man könnte fast glauben nur für uns zwei westliche Journalisten, wurde eine der selbst gebauten Handgranaten im Einsatz vorgeführt mit begleitenden AK47-Feuer. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Hat ordentlich geknallt – also erstmal taktischer Rückzug, nur etwas schneller als zuvor, was kein Problem sein sollte. Nur sind die Löcher klein und eng, ich trug meine Schutzweste von 15kg und meine Fotoausrüstung ca. 8kg da kommt man schon bei normaler Geschwindigkeit ins Schwitzen. Aber vielleicht bin ich einfach zu alt für so was.fake Dollar © Thomas Rassloff 2013-03

Nach all dem Geballer haben wir dann auf unsere Fortsetzung der Tour gebeten, da eigentlich noch mehr auf unserem Programm stand. So ging es dann zu einer großen Polizeistation. Dort wurden wir zufällig Zeugen, wie ein Mann inhaftiert wurde.

Der Mann mittleren Alters hatte nach Aussagen des Polizeichefs mehrere 1000 Dollar Noten Falschgeld bei sich. Um der Sache auf den Grund zu gehen, ob es sich tatsächlich um Falschgeld handelte, habe ich eine 100 Dollar Note zum Vergleich angeboten. Und tatsächlich schwer zu erkennen auf den ersten Blick waren die 100 $ Noten gefälscht.
Nach einem kurzen Gespräch mit dem Polizeichef über den Neuaufbau und die Struktur der Polizei durften wir im Anschluss die neuen Polizeiuniformen fotografieren, natürlich mit den Polizeibeamten und deren Waffen.new Syrian police © Thomas Rassloff 2013-03

Aber irgendwie waren das nicht die Uniformen die wir meinten. Ja es waren alles neue Uniformen aber diese waren in Tarnfarbe. Wir waren eigentlich auf der Suche nach dunkelblauen fast Schwarzen Uniformen. Also zu einem anderen FSA Stützpunkt gefahren, dort dann die gesuchten neuen Polizeiuniformen samt Polizisten und Waffen abgelichtet.
Auf dem Rückweg zum Office noch „schnell“ mal den Auspuff vom Jeep schweißen lassen und danach zu einem Haus welches gestern von einer Fliegerbombe zerstört wurde. Die Ausmaße der Zerstörung kann man sich nur schwer vorstellen und noch schwerer ist es das zu beschreiben.

Auch die Fotos können das Leid der Bevölkerung nicht wirklich dokumentieren. Viel schlimmer ist aber, dass das hier täglich passiert, täglich Luftangriffe, täglich Artilleriebeschuss und täglich geht das Sterben weiter. Und das einzige was in Deutschland, Europa und der Welt diskutieren wird – ist wie das Leid der Bevölkerung beendet werden könnte. Nur wird nichts für die Beendigung getan.

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633076996195/

Tag 5, 25.03.2013

8 Uhr – die Sonne scheint, das heißt beste Sicht für die Luftwaffe von Assad und somit grosse Wahrscheinlichkeit von Luftangriffen, aber ich musste erst vorletzte Nacht hören,
dass die Hubschrauber auch nachts fliegen und sogar ziemlich tief.

Früh aufstehen für etwas Besonderes, so besonders, dass ich immer noch nichts darüber schreiben darf. Nur soviel: wurde zu einer Katiba (arabische Bezeichnung für eine militärische Einheit) gebracht und wurde ohne Dolmetscher zurück gelassen. Dort wurde ich zum Frühstück eingeladen und durfte ca. 4 Stunden auf das Besondere warten.

Aber wie das mit dem Besonderen immer so ist, es trat nicht ein. Also bin ich nach mühevollen Kommunikationsversuchen Englisch/Arabisch – wobei mein Arabisch so schlecht ist, wie das Englisch meines Gegenübers – zurück zur Unterkunft.Dort auf den Dolmetscher gewartet, um klären zu lassen, was eigentlich das Problem war.
An mir kann es ja nicht gelegen haben, ich war ja da, wie verabredet.

Im Büro angekommen wurde mir von einem Anwesenden erklärt, dass es gerade vor ein paar Minuten einen Raketenangriff gleich um die Ecke gab. Genau auf dem Platz, auf dem im Dezember letzten Jahres ein Krankenwagen von einer Rakete getroffen wurde, also auch das verpasst. OK – so ist das eben manchmal – ein verschenkter Tag.

Zumindest habe ich langsam die Preise raus, Mexicana ist Hühnchenfleisch mit Salat in Brot 100 Syrische Pound, Ayran 30 oder 40 Syrische Pound.
Ein Hähnchen mit Pommes 700 Syrische Pound.
Wechselkurs von 1 Euro = 91 Syrische Pound.

Die Unterkunft, was ich hier als APC oder Office oder Unterkunft bezeichne, ist eigentlich eine kleine und gemütliche 4-Zimmer-Wohnung. Nur die Räume sind etwas kleiner als das, was man aus Berlin gewohnt ist. Küche, Bad mit Toilette und Loch im Boden gleich daneben. Auf meine Frage, wem die Wohnung zuvor gehört habe, wurde mir gesagt, das die Familien zum Regim gehört haben sollen un ddeswegen auch nicht mit deren Rückkehr zu rechnen sei. So wie der Wohnung ging und geht es auch mit den Autos, werden Regimetreue verhaftet, geht das Auto in den Besitz der beschlagnahmenden Einheit über.

Heute, als ich auf das Besondere wartete, konnte ich sehen, wie einige Kleinlaster mit Wohnungsinventar durch die Straßen fuhren. Auch ist das Viertel wesentlich voller mit Menschen als vor zwei Monaten. Eine klarer Beweis dafür, dass die ehemaligen Bewohner zurückkommen und keinen Bock mehr auf Flüchtlingslager haben.

Tag 6, 26.03.2013: Mission Überlandausflug

Nach einer angenehmen Nacht mit der einen oder anderen Explosion in der Nachbarschaft,
die Frontline ist ca. 750 Meter entfernt, mehrheitlich Mörsergranaten, nach meinem Amateurwissen, Zähne putzen mit fließendem Wasser, passiert ja auch hin und wieder, dass es kein Wasser gibt; hoch ins Büro und auf Yosef warten. Das kann gelegentlich länger dauern und heute hat es mal wieder richtig lange gedauert. Dann kurz mit Ihm besprochen, dass ich noch einmal mein Glück mit der Überlandmission versuchen will. So denn zu Fuß auf den Weg zur Brigade um die Ecke.

Dort wurde ich schon erwartet, das hatte ich so nicht gedacht und war sichtlich erleichtert, dass zur Abwechslung mal was richtig gut klappt. Also Platz nehmen im Büro des Brigadechefs und … warten …

Dann kommen und gehen FSA Kämpfer, in Tarnanzügen, andere in schwarz, die nächsten in poppigen Turnschuhen, Jeanshosen und Joggingjacken. Manche mit Vollbart, andere ohne und ein paar der Jungs haben noch keinen. Plötzlich steht eine Frau im Büro, redet mit dem einen, dann mit einem anderen und dann auch mit dem Brigadechef. Sitzt mal hier mal da zum Schluss neben mir. Glücklicherweise kann sie Englisch und wir fangen an zu reden und es stellt sich heraus, dass sie die Gefangene ist, um die sich heute alles drehen wird. Profi, wie ich bin, habe ich mal wieder meinen Schreibblock verloren und meine Stifte auch. Organisieren ist angesagt, dann geht die Arbeit los. Wo kommst du her, wie heißt du, wann wurdest du verhaftet und warum, etc. Die Situation wurde dann aber etwas schwierig, da ich keinen Dolmetscher an meiner Seite hatte, die FSA-ler nur sehr wenig Englisch sprechen und verstehen.

prisoner exchange © Thomas Rassloff 2013-03Lustigerweise waren die Männer der Brigade auf Ihre Gefangene angewiesen, um sich übersetzen zu lassen, was wir miteinander reden bzw. wenn ich Fragen an die Jungs hatte. Einer der Offiziere hat mir dann gesagt, er würde mir heute Abend die Hintergründe der Festnahme erklären. Was er offensichtlich nicht im Beisein der Gefangenen machen wollte. Im Gegenzug bat mich die Frau, die mir auch Ihre Telefonnummer gegeben hat, darum, sie anzurufen – vertrauen tut man sich offensichtlich nicht. Wobei ich mir dachte, dass nach 5 Monaten Haft und dem Organisieren des Austausches oder Übergabe an türkische Autoritäten, vermutlich Geheimdienst oder Armee oder so, dass also nach all dem Aufwand und meiner Involvierung eine Ermordung doch sehr unwahrscheinlich ist bzw. für mich nicht denkbar.

Aber der dann doch in die Wege geleitete Aufbruch verdeutlichte die Gefahr, in die wir uns alle begaben – oder mit anderen Worten, lieber auf mehr Sicherheit setzen als auf zu wenig. Mit einem Konvoi von 4 später 5 Autos bzw. Transportern waren mehr als 20 Bewaffnete eingebunden, mit Funkgeräten in jedem Wagen und ein Wagen war sogar kugelsicher. Los gehts, quer durch Aleppo und aufs Land, zwischendurch die eine oder andere Sehenswürdigkeit, Historische Ruinen und Imbissstopps.

Zwischendurch immer wieder Telefonate, auch die Frau telefoniert, mit wem bleibt für mich unklar. Und nach ca. 3 Stunden Holperpiste ein Treffen irgendwo an der Grenze, ich muss gleich an die Bornholmer Brücke denken, vor dem Mauerfall 1989 soll es hier zu Agentenaustausch gekommen sein. Mit wem wir uns hier treffen? Auch das bleibt bis aufs erste ein Geheimnis und mir bleiben nur Vermutungen. Türkische Autoritäten im Allgemeinen, Geheimdienst oder was oder wer auch immer.

Die Soldaten der FSA machen Erinnerungsfotos vor einem Panzer russischer Bauart T56 oder T62 – und auch ich soll fotografieren. Klar mache ich das, das mit den Spass-Fotos geht noch klar; als ich mich den türkischen Leuten nähere, plötzlich ein lautes und unmissverständliches La suri !!! Das ist Arabisch und heißt keine Fotos; komisch, der Typ der das ruft fotografiert die ganze Zeit selbst.

Ok ich gehe direkt zum Brigadechef und frage ihn was das soll und dass ich Fotos machen möchte und auch von allen syrischen Anwesenden, der Frau inklusive, niemand ein Problem damit hat; eben nur die Türken, paranoide Geheimdienstler – denke ich mir. Aber die Macht der Autorität wirkt, der Brigadechef spricht ein Machtwort, und dann darf ich doch fotografieren, aber damit die Türken nicht rumjammern, darf ich nur ein paar auf die Schnelle machen, gerade als ich 4 oder 5 Bilder gemacht habe, schreit der Typ chalas (genug)! Und er will auch noch kontrollieren, was genau ich fotografiert habe, irgendwie voll unentspannt die Männer von der türkischen Seite. Ein paar von den Jungs verdrehen die Augen, einer macht einfach mit seinem Handy ein paar Fotos, ein Anderer ein Video.

Auf dem Rückweg gab es dann noch einmal ordentlich was zu futtern und nach ewigen Schotterpisten waren wir wieder in Aleppo. Einen kleinen Aufreger gab es dann aber trotzdem, aber den kannte ich schon, die Straße zu unserer Unterkunft ist gefährlich nahe zur Frontline, und an einer Stelle ist immer Sniperalarm. Also mitten in der Nacht ohne Licht fahren, bei syrischen Straßenverhältnissen und bei einer, sagen wir mal etwas aggressiveren Fahrweise, ohne Worte.

Dann Abschied und die Einladung, morgen um 10 Uhr, eine ähnliche Tour zu machen. Was für eine Mission bleibt offen, aber das liebe ich ja so daran, man wird doch ab und an überrascht und es wird nicht langweilig.

Nachtrag: die Gefangene gehört zur Regierungsarmee von Bashar Al Assad. Vielleicht später mehr dazu.

Fotos von der Tour: http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633099552044/with/8592604017/

Tag 7, 27.03.2013

Eigentlich glaubte ich Abu Obaida so verstanden zu haben, dass heute Morgen ein weiterer Landausflug auf dem Plan stand. Auch die Uhrzeit 10 Uhr dachte ich mir richtig gemerkt zu haben. Aber leider war er nicht zu finden, weder in seinem Büro noch wusste jemand, wo er sein könnte. Somit war der Vormittag mit Warten und der Suche nach dem Brigadechef vertan.

Spontan beschlossen wir, Sultan (Fahrer vom APC), Sebastiano (italienischer Fotograf) und ich, nach Salaheddine zu fahren. In dem zerschossenen Viertel gab und gibt es immer wieder heftige Gefechte zwischen der FSA und den Regimetruppen, aber zur Zeit ist Ruhe. Zumindest relativ ruhig, vielleicht die Ruhe vor dem nächsten Sturm, bis auf kleinere Scharmützel passiert nicht viel.

Überhaupt ist es in den letzten Tagen auffällig ruhig. Mit meiner – ich war schon mal hier – Erfahrung würde ich prognostizieren, dass die FSA zur Zeit nicht über ausreichend Nachschub an Patronen für alle Kaliber verfügt. Und die Regime Armee nicht über genügend Leute und nicht die nötige Motivation besitzt. Aber wie das oft so ist, kann ich mich auch täuschen und morgen bricht die Hölle los. Was ich nicht hoffe.Abu Ali © Thomas Rassloff 2013-03

Von den Einheiten, die wir besucht haben, wurden wir sehr herzlich empfangen, eigentlich wie immer. Zuerst wird man zum Tee eingeladen, es folgen Kommunikationsversuche und anschließend werden die Stellungen besichtigt. Seit die FSA selbst Handgranaten und Sprengsätze produziert, sind diese in großer Stückzahl verfügbar. Das führt dazu, dass einige Kämpfer dazu neigen, auf jeden Fall zu zeigen, dass diese auch funktionieren. Also wird spontan mal ein kleiner Angriff auf die Regierungsstellungen organisiert. Schnell finden sich noch zwei oder drei andere Kämpfer, AK47 durchladen, Sniper zur Deckung des Rückzuges, eine Pumpgun für Streufeuer und ein oder zwei Werfer für die Sprengsätze bzw. Handgranaten.

Wir dürfen uns eine günstige Position suchen zum Filmen, Ton aufzeichnen oder fotografieren, eine letzte Rücksprache per Funk mit dem Kommandanten und los gehts. Was man in solch einer Situation nie vergessen sollte: Ohrstöpsel oder irgendetwas anderes in die Ohren machen, es ist hölle laut.

Sobald die explosiven Sachen geworfen und etwas auf die vermuteten Scharfschützenposition gefeuert wurde, wird der taktische Rückzug angetreten. Denn meist folgt die Reaktion der Assad-Soldaten binnen weniger Augenblicke, Granaten und heftiges Gegenfeuer kann schon mal vorkommen. Alles überschaubar und eigentlich auch nichts Neues. Also zurück Richtung Unterkunft.

Kurz noch am Stammimbiss Halt, ein paar Pommes, was hier Patata genannt wird und etwas Süßzeug. Im Büro die Fotos sichten und gegebenenfalls online stellen. Verkaufen lassen sich solche Bilder in der Regel nicht, leider, denn davon hab ich wirklich viele.

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633105008684/

Tag 8, 28.03.2013

Tagesziel: das Leid der Bevölkerung in Bildern festhalten

Aber wie soll man Hunger, Durst und Angst bildlich festhalten, ich habe keine Ahnung.
So sage ich zu Sultan: ich will als erstes Wasser, das nicht da ist, fotografieren. Also Wasserausgabestellen, das zumindest geht. Es dauert keine 10 Minuten und wir haben so eine Stelle gefunden, wo seltsamerweise noch Wasser ankommt, aber in den angrenzenden Wohnblocks kein fließend Wasser vorhanden ist. Somit die erste Etappe erreicht, das war dann doch einfacher als gedacht.

organized Food Supply © Thomas Rassloff 2013-03Nächster Punkt, Hunger. Also Essen bzw. Grundnahrungsmittel-Ausgabestelle, gleich um die Ecke. Ein örtliches Stadtteilkomitee ist für die Vergabe der Lebensmittel verantwortlich.
Auf einer Tafel wird angezeigt, wer an welchen Tagen berechtigt ist, um wie viel Uhr Dinge wie Mehl, Zucker, Bohnen, Linsen oder Konserven abzuholen. Das scheint mir alles gut organisiert zu sein, gut für die Menschen, schlecht für Assad. Aber die Angst vor den Angriffen mit Flugzeugen, Hubschraubern oder Raketen bleibt. Diese Angst lässt sich durch kein Komitee der Welt beseitigen.

Und somit bin ich nach den zwei ersten Punkten, die man noch irgendwie fotografisch festhalten kann, zu dem gekommen, was nicht fassbar, nur schwer begreifbar und unmöglich scheint zu fotografieren: die Angst.

Um nicht zu verzweifeln, wie ich diese Aufgabe lösen soll, beschließe ich meinen Begleiter dazu zu überreden, noch ein paar Alltagsfotos zu machen. Gesagt getan, los gehts an einen Kreisverkehr um die Ecke, diesmal die mobilen Tankstellen, die an fast jeder Straße der Stadt zu finden sind. Ein kleines Problem sind die Verkäufer, nicht jeder will fotografiert werden. Schade eigentlich, weil die, die nicht wollen, am besten aussehen. Nach dem einen oder anderen Foto und Einladungen zu Tee ziehen wir weiter, per Zufall finden wir eine Steinbearbeitungswerkstatt. Auch hier wieder das gleiche Problem, die schönsten Motive wollen einfach nicht. Aber zumindest ein paar Aufnahmen von der Normalität im Ausnahmezustand gelingen, hoffe ich zumindest.

Auf unseren Weg zurück Richtung Büro kommen wir über den Fluss. Seit Januar besser bekannt als der Fluss der Leichen, oder wie man hier sagt, der Fluss der Märtyrer. Im Januar war ich zufällig mit einer Gruppe von anderen Journalisten unterwegs, als wir zum Fluss gerufen wurden, um das zu dokumentieren, was Assad und seine Gesellen, dem syrischen Volk antun. Über 100 Leichen werden an diesem Tag aus dem Fluss gezogen.
Als ich am Flussufer lang ging und anfing zu fotografieren, versuchte ich kurz einfach nur aus mathematischem Interesse zu zählen.

Bei 40 habe ich aufgehört und dachte kurzzeitig, das ich so damit nicht klar kommen würde. Fotografieren, seine Job machen, das sagte ich mir und das versucht ich so gut ich konnte.River of Martyrs © Thomas Rassloff 2013-03

Also genau über diesen Fluss gingen wir und all das, was an diesem Tag geschah, was ich gesehen hatte, war wieder da, als ob nicht schon 3 Monate vergangen wären. Ein Foto wollte ich dann doch machen, von genau diesem Fluss, diesmal ohne Leichen. Ganz friedlich als ob nichts passiert wäre, eine Landschaftsaufnahme, die nichts böses ahnen lässt. Gedacht – getan und schnell weg, schnell die Horrorbilder wieder vergessen.
Aber wie weiter machen – auf dem Weg ins Büro fragte ich mich das die ganze Zeit und die Bilder gingen natürlich nicht so einfach weg, so was vergisst man eben nicht einfach.
Psychologisch betrachtet hilft da nur eins in Aleppo – Frontline, da hat man ganz andere Probleme.

Sultan bring mich in die Kampfzone, wie einfach man seine Erinnerungen verdrängen kann, man muss einfach nur in ein Taxi steigen und nach Amria fahren.
Amria, oh das kenne ich schon, hier war ich schon einmal im Dezember mit Just, einem Fotografen und Streetart…? was eigentlich genau, naja auf jeden Fall ein Kollege aus Berlin.
Damals vor 3 Monaten, es kommt einem vor wie eine Ewigkeit, hatten wir uns von einer Kampfeinheit hierher mitnehmen lassen. Passiert war an diesem so weit entfernten Tag zwar nichts, aber die Erinnerungen waren noch da. Und ich fragte mich, wie es wohl sein würde. Sultan rief an einem Checkpoint, der Taxifahrer hielt sofort, legte den Rückwärtsgang ein und rollte ganz langsam zu ein paar Mülltonnen und Sandsäcken.
Mein Begleiter wurde offensichtlich gekannt, so was ist natürlich immer gut. Ein kurzes Gespräch, ein paar Anweisungen an die Leute vom Checkpoint, den Taxifahrer bezahlt und schon war ich embedded in einer Katiba und mein Begleiter war nicht mehr mein Begleiter und ging seiner Wege.

Zwei Jungs, Anfang 20, in sportlicher Kleidung und ohne Waffen, bringen mich in die Kampfzone. Dort treffe ich auf zwei verschiedene Verbände, die dort stationiert sind.
Aber nur mit einer Katiba habe ich die nächsten Stunden mehr zu tun. Lewaa Ansar Mohamad ist der Name der Brigade und Al Shahed Mosaabal Ahmed der Name der Katiba. Abu Ahmed ist der Kommandant. Wie mir später noch erzählt wird hat er schon zwei seiner Söhne im Kampf verloren, aber geändert hat sich für ihn dadurch nichts, der Wille zum Kampf für die Freiheit scheint ungebrochen.not exploded © Thomas Rassloff 2013-03

Ich werde durch das Viertel geführt. Kein Anwohner weit und breit, nur ab und an ein paar Männer der FSA. Mir werden die zerstörten Häuser gezeigt und immer wieder werde ich aufgefordert, genau das zu dokumentieren. Als ich es geschafft habe die Kämpfer davon zu überzeugen, dass ich genug zerbombte Häuser fotografiert habe, holt plötzlich einer der Jungs eine nicht explodierte Artilleriegranate aus einem Hauseingang. Uppppps, ok, damit wird man hier beschossen, definitiv keine Wattebällchen. Sicherheit geht vor, es wurde zumindest der Zünder entfernt, aber ein unwohles Gefühl bleibt trotzdem, als der junge Mann damit hantiert und es für ein Erinnerungsfoto platziert. Geschätzt würde ich sagen Durchmesser 80mm, länge 500mm und Gewicht ca. 15kg, da wird einem schnell klar, warum das Viertel so aussieht, wie es aussieht. Russische Technik, grob und in diesem Fall, wohl zu alt, denn keine zwei Ecken weiter liegt schon wieder so ein Ding an der Seite.
Hatir, Hatir (Gefährlich) wird mir gesagt und damit wurde mir gesagt, dass, wenn wir jetzt weiter gehen, es gefährlich werden soll.

Achso, die Artilleriegranaten sind also nicht gefährlich, naja sind ja auch nicht explodiert und entschärft, weil Zünder raus. Da frage ich mich, was soll denn dann gefährlich sein, klar gehe ich weiter, im Gegensatz zu den Jungs, die hier täglich kämpfen, trage ich zumindest eine Schutzweste. Also los gehts, die bekannte und gehasste neue Sportart, Hindernisparkur zur Frontline, Löcher, Treppen, hoch, runter …
Am Ziel angekommen wird mir schnell klar, die Frontline ist etwas anderes, als so manch andere.

frontline © Thomas Rassloff 2013-03Dann noch einmal durch eine Scharfschützenzone rennen und ein paar Etagen und dann wird mir klargemacht: 20 Meter weiter, da sitzt der Feind. Beobachtungen über einen Spiegel auf den Balkon, so kann man, ohne erschossen zu werden, in Richtung Scharfschützenstellung blicken. Dann werde ich natürlich gefragt, woher ich komme und ob ich auch Videos machen kann, klar kann ich und schon gehts los. Erst als die feindlichen Kugeln im Fensterrahmen einschlagen, hören die Jungs auf, in Richtung Assads Soldaten zu schießen. Das war knapp. Aber mir wird erklärt, das ist hier jeden Tag so.

Nach einem Gruppenfoto brechen wir auf um zurück zum Checkpoint zu gelangen, aber auf dem Weg werden wir abgefangen und noch auf einen Tee eingeladen. Da sage ich nicht nein und meine Begleiter sind auch nicht abgeneigt. Und dann doch noch ein paar alte Gesichter. Mahmud ein kräftiger großer Mann Anfang 20 aus Homs und ein paar Jungs aus Idlib hatte ich schon im Dezember hier getroffen. Auch ich wurde wieder erkannt. Beim Tee holen zwei ihre alten Militärausweise raus, beide waren Offiziere in Assads Luftwaffe, aber gegen die eigene Bevölkerung kämpfen? Nie im Leben, also Fahnenflucht und jetzt kämpfen sie am Boden im Häuserkampf von Amria, nur vergleichbar mit Stalingrad, scheint mir der passende Vergleich zu sein.
Andere zeigen mit Stolz ihre neuen Militärausweise von der FSA, und dann werden die persönlichen Videos auf dem Handy gezeigt. Kampf hier, Schießerei dort, die Männer haben in ihrem kurzen Leben schon wirklich viel gesehen und erlebt. Man möchte sich gar nicht vorstellen, dass dieser Krieg noch länger geht. Einfach vorbei müsste er sein, die Jungs wieder treffen ohne Waffen, was trinken, abhängen und Geschichten von früher erzählen …
Das wäre schön.

Aber das Leben ist manchmal nicht so schön, nur Träume sind schön. Die Realität hier in Amria, die ist eher die Hölle, mit diesen Gedanken verabschiede ich mich, obwohl ich eingeladen war, über Nacht zu bleiben, aber das brauche ich heute nicht mehr. Also zurück zum Checkpoint, dort fing der Spaß aber erst richtig an, wie erkläre ich wem eigentlich, wo ich hin will. Ähm … naja zum Glück hatte ich ein Foto von einem Kommandanten auf der Karte, der bei meiner Unterkunft um die Ecke sein Büro hat, damit ging es dann doch einfacher als befürchtet.

Beim Fotos auf den Rechner Laden wurde mir von einem Büromitarbeiter gesagt, dass der Generator defekt sei, auch das noch. Im Laufe des Abends stieg die Klapperkiste dann komplett aus. Naja soviel zum Thema Technik. Wann ich den Text posten kann, bleibt unklar.

Und in der Zeit, in der ich das schreibe, krachen draußen die Mörsergranaten – fast vergessen sind die Leichen vom Fluss….

Tag 9, 29.03.2013: Freitagsdemonstration in Bustan Al Qasr

Aufstehen bei schönstem Sonnenschein, klarer Himmel und die zwei Kollegen aus dem APC und ich beschlossen, etwas zu frühstücken. Wir waren gerade auf der Straße, da hörten wir ein Brummen, oh ja, das kannten wir alle, Helicopter in the Air. Zuerst ein Hubschrauber in etwa 2000 oder 3000 Meter Höhe, schwer zu erreichen für die FSA mit ihren veralteten russischen Maschinengewehren. So gingen wir weiter in Richtung Frühstückslokal, doch dann plötzlich ein sehr viel lauteres Geräusch eines zweiten Hubschraubers, dieser flog nur wenige 100 Meter über den Häusern. Wir konnten es nicht fassen, dass der so niedrig flog.

Und nichts passierte.

Also wir genossen unser Frühstück und kauften auf der Straße noch einen frisch gepressten Orangensaft und später noch einen Espresso, während der Hubschrauber noch immer seine Kreise über der Frontline flog.

Im Büro angekommen erstmal E-Mails checken und schauen, was es Neues gibt, dank Sat-Internet, aber leider hatte der Generator einen kleinen Defekt und so ließ ich es sein. Wegen des schönen Frühlingstages beschloss ich erstmal, mich auf die Straße zu setzen und die Sonne zu genießen. In diesen Minuten des Sitzens in der Sonne könnte man fast vergessen, wo man ist. Dass keine 700 Meter weiter die Frontlinie verläuft und irgendwo da oben Hubschrauber kreisen. Aber ich sitze in der Sonne und bin froh nicht in Berlin / Deutschland zu sein, bei minus 3 Grad und Schneefall. Frohe Ostern.demonstration 2 © Thomas Rassloff 2013-03

Nach ca. 30 Minuten Sonnenschein gehts los nach Bustan Al Qasr, zur wöchentlichen Freitagsdemo. Die Stimmung ist gut, ich treffe einen Fotografen, den ich schon von früheren Aleppo-Demos kenne. Wir reden kurz über die Lage und Perspektiven journalistischen Arbeitens und ob es Sinn macht, nach Homs oder Damascus zu fahren. Aber wir kommen schnell zu dem Ergebnis, dass man als Freelancer die Preise einfach nicht zahlen kann. Nach Damascus soll es ca. 1000 Dollar kosten, von den Gefahren mal abgesehen.

Auch auf der Demo sieht man in der Ferne einen Hubschrauber. Fotos machen auf der Demo ist relativ leicht, die Mehrheit der Leute mag gerne fotografiert werden, manche sind richtig vermummt, und haben auch kein Problem mit Presse. Nur am Rand stehen gelegentlich Anwohner, die einem freundlich und ernsthaft klar machen, dass sie ihr Leben riskieren, und vermutlich auch im Fluss der Märtyrer enden würden, weil Assads Leute sie nur dafür umbringen würden, weil sie an dieser Demo teilnehmen. Kann ich verstehen und mache natürlich keine Fotos, aber Spaß kann man die ganze Zeit mit den Leuten haben, trotz Sprach- und Kommunikationsproblemen, da ich mal wieder ohne Dolmetscher unterwegs bin – wird langsam zur Gewohnheit, aber ich lerne dafür auch immer mehr Worte auf Arabisch. Schritt für Schritt.

demonstration 1 © Thomas Rassloff 2013-03Nach der Demo gehts schnell mit dem Taxi zurück ins Büro. Fotos bearbeiten und online stellen, dann aber eine ungewollte Unterbrechung, der Generator machts nicht mehr. Das zeigt, wie schwierig die Lage für die Normalbevölkerung ist, denn die Mehrheit ist auf Strom aus Generatoren angewiesen. Die Luftangriffe haben einen Großteil der Infrastruktur zerstört, und somit sind weite Teile Aleppos von der Stromversorgung abgeschnitten. Bei der Trinkwasserversorgung ist es noch schlimmer, da kann auf Regierungsseite einfach der Hahn zugedreht werden.

Das Gerät wird ins Auto verladen und Yosef fährt davon, ich habe keine Ahnung wie weiter, also checke ich die Möglichkeiten in der Nachbarschaft. Zum Glück finde ich ein FSA Büro mit laufendem Generator, dort kann ich erstmal mein Laptop wieder mit Strom versorgen. Und weiter meine Fotos sortieren. Da steht Mahmud vom AMC vor mir, hallo, er führt gerade zwei italienische TV Leute durch Aleppo. Die drei hatte ich auch schon kurz auf der Demo gesehen. Die wollten eine Doschka filmen – die auf die Hubschrauber schießt, ob sie eine gefunden haben, keine Ahnung. Dann kommen noch ein paar FSA Männer vorbei und wollen die Fotos von der Überlandfahrt sehen – geht klar – nachdem mein Akku voll ist, gehe ich zurück ins Büro.

Und Wunder geschehen immer wieder, ein neuer Generator ist da, das Internet funktioniert und alle sind wieder besser gelaunt. Im Internet lese ich dann, dass ein Viertel durch die FSA und PYD (Kurden) erobert worden sei, außerdem soll gestern ein iranisches Flugzeug in Damaskus abgeschossen worden sein. Ja, manchmal überschlagen sich die Nachrichten, als ich nochmals im FSA Büro vorbei schaue, da ich eigentlich einen Interviewtermin hatte, aber mal wieder keinen Dolmetscher, wird mir erklärt, dass ein Hubschrauber ganz in der Nähe abgeschossen wurde. Und ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. Aber leider ist es schon dunkel und somit viel zu gefährlich in Richtung Front zu fahren, nur um einen abgeschossenen Hubschrauber zu suchen.
Der sollte morgen auch noch zu finden sein.

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633114353617/

Tag 10, 30.03.2013: Katze und Kampfjet

Im Krieg lauern die Gefahren überall, aber vor allem da, wo man sie nicht erwartet.
Das Zimmer, in dem ich schlafe, hat zwei Fenster, beide führen auf eine Art Balkon.
Aus Gründen der Frischluftzufuhr hatte ich heute früh das eine Fenster geöffnet.
Über Nacht sind die Fenster immer geschlossen, weil der Gefechtslärm einfach zu laut ist, um schlafen zu können.

Nun war das Fenster offen, die frische Frühlingluft strömte hinein und ich war fast wieder am einschlafen. Da veranlasste mich ein Geräusch die Augen zu öffnen, und ich war zu Tode erschrocken, ich blickte in die AUgen eines syrischen Riesentigers, auch bekannt als gemeine Hauskatze. Guten Morgen Aleppo.

Klopfen an der Tür. Ahhh Sebastiano, er will Sultan wecken, der schläft im Raum gegenüber, heute soll es sehr früh losgehen. Ich verfalle nicht in Optimismus und putze erstmal entspannt die Zähne. Denn bei uns gibt es noch fließend Wasser, das war im Januar/Februar nicht so, da war für über eine Woche nur Flaschenwasser angesagt. Jetzt sitze ich auf dem Balkon, die Sonne scheint mir ins Gesicht und eigentlich könnte ich hier den ganzen Tag so sitzen und mir so einen richtig schönen Sonnenbrand zulegen.

Die anderen sind keine Ahnung wohin, ich hatte am Abend zuvor einen Termin vereinbart.
Der geplante Termin wegen Fotos machen wurde offensichtlich von jemanden vergessen, macht nichts, ist ja schönes Wetter. Also erstmal Wasser kaufen, da ich dem Wasser aus der Leitung nicht ganz traue, eventuelle Krankheitserreger. Also zum Laden meiner Wahl, der hat meist Wasser in großen Flaschen. Hat hier nicht jeder.survivor © Thomas Rassloff 2013-03

Gerade sind mir die Worte eine Flasche ( Mai – heisst Wasser ) über die Lippen gegangen, da donnert ein Kampfjet über das Viertel hinweg. Flughöhe vermutlich irgedwas um die 1000 – 2000 Meter. Und einen Bruchteil einer Sekunde später eine wahnsinnig lauter Knall, also ein Bombeneinschlag, keine 300 Meter entfernt.

Schnell korrigiere ich meinen Einkaufswunsch auf zwei Flaschen, und renne zum Einschlag. Eine Flasche gebe ich gleich an einen jungen FSA Kämpfer, den ich von den letzten Tagen her kenne. Die andere reiche ich ein paar Sekunden später dem ersten Opfer, das mir über den Weg läuft.

Dann versuche ich ein paar Fotos zu machen. Immer wenn ich meine Kamera runter nehme um zu schauen, wo und was ich noch fotografieren könnte, fordern mich die Anwesenden auf weiter zu fotografieren, ja mach ich doch, verdammt nochmal. Weit und breit scheine ich der einzige Ausländer und Journalist zu sein, ein paar bekannte Gesichter laufen mir über den Weg, aber keine Zeit für Smalltalk.

after air strike 2 © Thomas Rassloff 2013-03Etwas später sind dann auch ein paar aus dem APC vor Ort, aber wie das immer so ist, nur noch selten verwertbare Bilder. Anwesende zeigen mir eine Art Fallschirm der zur Bombe gehört haben soll. Ein paar Nachfragen bei Kollegen und die Sache wird klarer, das ist eine Art Bombe, die abgeworfen wird, wenn das Flugzeug sehr tief fliegt, damit die Explosion verzögert stattfindet. Es gibt mehrere Ausführungen dieser Bombe, kann auch im Verbund von mehreren eingesetzt werden.

So gehe ich zurück ins Büro und verbringe den Nachmittag damit, die Fotos online zu stellen. Anschließend gehe ich wieder zur FSA Brigade, um zu checken, was eigentlich aus meinem Fototermin geworden ist. Manchmal ist es nicht so einfach zurecht zu kommen,
aber dann gibt es doch auch etwas Glück, ein Mann kann etwas Englisch, und ich lasse gleich mal einen Offizier fragen, was nun ist mit dem Termin von heute früh.
Denn entschuldigt hatte er sich schon zuvor, aber mehr war kommunikativ eben nicht zu machen. Mit Übersetzen ist zumindest rausgekommen, dass ich mich an einen anderen wenden muss. OK, soweit so gut. Ich denke an Franz Kafka, das Schloss…

http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157633124424582/

Tag 12, 01.04.2013: Krieg, Internet und Raketen

Der Internet-Krieg oder der Krieg im Internet. Vor ein paar Tagen war ich an der Frontline, dort trafen wir auf ein Kind. Nach Aussagen der anwesenden Kämpfer 5 Jahre alt. Das Kind soll einen Großteil seiner Familie durch einen Bombenangriff der Regierungsarmee verloren haben. Und ist seitdem teilweise sich selbst überlassen, bzw. wird von Leuten betreut, oder Verwandten, das bleibt für mich offen und ungeklärt. Gestern dann tauchte in einem Onlineprotal des Telegraph oder so ähnlich ein Artikel auf, der dieses Kind als Kindersoldaten beschrieb. Mir ist fast das Laptop vom Tisch gefallen. Wo haben die Amateure denn Ihre Informationen her?
Ja das Kind spielt mit der AK47 des Soldaten und lässt sich auch aus Fahrlässigkeit und Übermut damit fotografieren.

Auch ich muß zugeben, das ich Fotos von dem Kind mit der Kalaschnikow habe, aber ich würde nie die Dummheit oder Frechheit besitzen, etwas zu behaupten, was nicht der Realität entspricht. Wer die Verantwortung für diesen Mist trägt, ist erstmal ungeklärt, aber es scheint ja nicht das erstemal gewesen zu sein, dass übereifrige Journalisten an ihrem sicheren Arbeitsplatz irgendwo in der Welt, nur eben nicht vor Ort in Syrien, Fotos verwenden und mit dem größten Quatsch untertiteln. Wenn diese Leute auch nur ein kleines Quantum an Ahnung von Waffen hätten, könnten Sie wissen oder zumindest vermuten, dass ein Kind im Alter von 5 oder 8 Jahren, wie im Artikel behauptet, überhaupt nicht in der Lage ist, eine AK47 zu bedienen oder zu halten, wenn der Schuss los geht. Ich sage nur Rückstoss.

Mir reichts ich will nach Hause, Yosef soll mich zur Grenze fahren, natürlich ist er nicht da und keiner kann sagen, wann er zurück ins Büro kommt.

So nutze ich die Gelegenheit und setze mich vorm Haus auf die Straße in die Sonne, fast wie Urlaub. In der Sonne sitzen, nichts tun und warten auf was auch immer.
Und auch das passiert, der Brigade Commander kommt die Straße entlang gelaufen – was selten geschieht. Sieht mich und lädt mich ein auf eine kleine Überraschungstour.
Oh ich liebe Überraschungen. Zuerst müssen wir zum Stützpunkt der FSA Einheit, dort werden noch ein paar Dinge besprochen, was wann wo und wer. Raketen und Abschussrampen werden in die Autos verladen, alle freien Plätze werden schnell von Kämpfern besetzt, ich darf im Auto mit den Raketen sitzen, rauchen verboten. Dann gehts quer durch Aleppo zu einer ganz bestimmten Kampfzone. So schnell und bequem bin noch nie zur Front gekommen, Dort wird ein Rampe ausgeladen und zwei Raketen.

Angriffsziel ist eine Militärbasis / Military Academy in Hamdaniya im Südwesten von Aleppo. Was mir erst im Auto gesagt wird: die Raketen sind neu. OK. Na und ? Neu heisst richtig neu, also noch in der Testphase oder Testphase schon abgeschlossen, nicht einfach ohne Dolmetscher.

Alles wird für den Start vorbereitet, ich suche mir ein sicheres Plätzchen schön weit weg, da ich von Videos um die Gefährlichkeit der selbst gebauten Waffen weiß.
Aber auch um ein gutes Video vom Start der Rakete zu bekommen. Kein Ahllaah uakbar rufen? Mir wird klar gemacht, dass es losgeht, ich schaffe es gerade noch mein Iphone zu positionieren.

Zisch und Zack und Peng, Rakete startet aber während des Starts gibt es einen Knall / Explosion, aber die Rakete fliegt in Richtung Assads Armee. Vermutlich ein Fabrikationsfehler bei der Treibladung, wer will das wissen, solange das Dinge dahin fliegt wo es hin soll. Aber auch mit der Startvorrichtung sieht es nicht so gut aus, die ist nicht mehr zu verwenden.

Der Erfolg macht gute Laune bei den FSA Leuten, einer sagt: die Lufthoheit hat Assad mit seinen Hubschraubern und Kampfjets, aber hier am Boden haben wir das sagen. Und da muss man ihm Recht geben. Die strategische Karte von Aleppo zeigt, wie weit die FSA Monat für Monat vorankommt.

Also zurück zur Basis eine andere Startrampe holen, auf dem Weg zu einer anderen Frontline, noch schnell Falafel essen. Der Verkäufer kann sein Glück nicht fassen, 20 mal Falafel und Cola verkaufen, die FSA sorgt für guten Umsatz. Es wird gescherzt und mein Video will natürlich auch von allen gesehen werden. Guter Hoffnung gehts zum zweiten Abschuss.

Dieses Mal an einer Frontline, die ich schon von früher kenne, auch so manchen Kämfer kenne ich schon. Aber auch seltsame Dinge passieren. Ein russisches TV Team, ja ein russisches, ich kann es auch nicht glauben, frage auf russisch und tatsächlich das sind Russen. Wo doch Russland Assad unterstützt und die FSA von den russischen Medien als Terroristen bezeichnet wird. Verrückt. Aber bis auf einige Wenige, will niemand mit dem TV Team reden, die Stimmung ist etwas unterkühlt. Aber man ist trotzdem höflich, sind ja Journalisten, die können vielleicht nichts dafür, was die Regierung macht oder andere schreiben / berichten. Egal. Solange sie mir nicht vor der Linse stehen.

Die zweite Rampe wird aufgebaut, diesmal in einem Hof einer zerschossenen Autowerkstatt, schöne Kulisse für einen Actionfilm denke ich mir. Leider ist der Hof nicht all zu groß, so wird es nichts mit einem schönen Video. Also die hinterste Ecke muss es dann sein. Aufregung bei allen Beteiligten, Hubschrauberalarm, aber nur für einen Moment, der scheint nur Beobachter Mission zu haben und fliegt viel zu hoch. Mir wird signalisiert, dass es gleich losgeht, OK Iphone auf Aufnahme und Ruuuuumps, das wars. Diese Rakete hat wohl einen Explosionsantrieb. Mit meiner Canon hab ich irgendwie diesesmal auch geschafft zwei Fotos zu machen, darauf ist zu sehen, dass was wegfliegt. Die Russen haben sich mal so richtig erschrocken und haben sich gleich aus dem Staub gemacht. Alle anderen lachen und gehen zu ihren Autos. Also ich würde ja nochmal die Bauanleitung überprüfen, irgendwie scheint was mit dem Antrieb nicht zu stimmen.

Zurück im Viertel angekommen, noch einmal schauen sich alle die zwei Videos an und die Fotos, dann bedanke und verabschiede ich mich, da ja meine Rückreise ansteht. Nur Yosef braucht noch etwas. Aber irgendwann kommt er und dann gehts los. Nein doch noch nicht, er muss noch Benzin für den Generator kaufen. Das kann dauern und das dauert, gefühlte Stunden vergehen. Doch dann gehts los, juhu. In einem Vorort muss er aber noch schnell einen Verwandten besuchen, auch das dauert, so vergeht die Zeit und es fängt an zu dämmern. Na auch nicht schlecht, mal im Dunkeln zur Grenze fahren, hatte ich noch nicht.

Wir diskutieren auf der Fahrt zur Grenze die Foto-Problematik und die Arbeit von Journalisten im Allgemeinen. Hat so jeder seine Meinung. Mir egal. Hauptsache nach Hause. Scheiß Business. 200 Dollar für die Fahrt von Aleppo bis zur Grenze. Naja bei den Preisen braucht sich keiner wundern, warum so wenige Journalisten in Syrien unterwegs sind. Die Zeitungen und Agenturen schicken keine Leute, weil es zu gefährlich ist und für Freelancer ist es einfach zu teuer.

Abschied. Dann das Übliche: Grenzkontrolle, Stempel und auf türkischer Seite Sicherheitscheck und Schicht. Es ist dunkel und kein türkisches Taxi weit und breit, ach du scheiße. Aber dann aus einer düsteren Ecke, Taxi Taxi? Na Logo will ich ein Taxi. Der Mann ca. 50 zeigt mir den Weg zu seinem Auto, ah ein syrisches. Na wenn das mal kein Schwarztaxi ist, mir egal, einsteigen und ab zum Hotel in Kilis.
Der Fahrer spricht leider kein English auf meine Frage „How much?“ antwortet es ganz professionell „How much“. OK, das hätten wir geklärt. Am Hotel angekommen gebe ich ihm 20 türkische Lira, den Preis den ich sonst von türkischen Fahrern gewohnt bin, der Mann ist offensichtlich erfreut so viel bekommen zu haben.

Naja ich nehme mir vor für die nächste Reise mein Arabisch zu verbessern und checke erstmal ein. Duschen, heiss duschen, ach wie schön kann das Leben sein. Frische Klamotten und ganz stinknormal Essen gehen, Bier kaufen und zurück ins Hotel. So gut habe ich schon seit Wochen nicht mehr geschlafen.

Tag 13, 02.04.2013: Grenzgänger – Borderliner?!?

Traditionsbewusst, wie ich als Deutscher so bin, oder Routine, am Ender meiner Syrien Tour steht immer das Flüchtlingslager an der syrisch – türkischen Grenze auf meinem Plan. Gut ausgeschlafen, frisch geduscht, neue Klamotten an und etwas verkatert gehe ich los und suche mir ein Taxi, um wieder einmal zur Grenze zu fahren.
Dort angekommen, will der Fahrer tatsächlich 30 TL von mir haben, Frechheit, Preise schlimmer als in Berlin. Ich gebe ihm 20 TL und gehe einfach. Der tobt in seiner Klapperkiste – mir doch egal. Beim nächstenmal darf er gern das Taxometer anmachen. An der ersten Kontrolle stelle ich fest, dass ich gar keinen Reisepass dabei habe. Upsss. Ja der liegt natürlich im Hotel an der Rezeption. Ich beschließe mein Glück mit meinem deutschen Personalausweis, und die türkische Grenzpolizei winkt mich einfach durch. Danke, das war einfach.

Bab Al-Salama Border 3 © Thomas RassloffIch gehe weiter zum richtigen Passkontrollpunkt oder wie auch immer das heißen möge. Zu meinem Entsetzen stehen da ca. 20 Leute, mehrheitlich Syrer, die nach Syrien wollen. Das ist mir so noch nicht passiert, dass so viele Leute zurück ins Krisengebiet wollen, ich beschließe einfach, an der Schlange vorbei zu gehen. Niemand da, der mich kontrollieren oder aufhalten will? Ok, ich gehe einfach weiter. Und schon bin ich in Syrien. Na wenn das mal keinen Ärger gibt.

Im Niemandsland hält ein älterer Mann und lädt mich ein, die ca. 800 Meter mit ihm zu fahren. Shukran – Danke. Was er an der ersten syrischen Kontrolle sagt, keinen Plan, aber sie reden kurz über mich, dann gehts weiter zur zweiten Kontrolle. Dort steige ich aus und gehe, ohne mich kontrollieren zu lassen, direkt ins Pressebüro. Mahmoud der Chef freut sich mich zu sehen. Wir reden kurz. Er besteht darauf, dass ein Mitarbeiter mich begleitet, bei meinem Rundgang durchs Flüchtlingslager. Gesagt getan und schon bin ich mit einem Begleiter am Rumlatschen, irgendwie schwer das richtige Foto zu finden. Das Leiden, die Not und all das, was diesen Krieg ausmacht. Unmöglich, aber vielleicht die Masse der Fotos, so als kleiner Einblick vielleicht. Mein Kopf ist leer, und das liegt nicht an der Menge der Bierdosen, die letzte Nacht geleert wurden. Nach 2 Wochen Syrien reicht es einfach. Das Flüchtlingslager noch und dann ist Feierabend.

Bab Al-Salama Border 2 © Thomas RassloffIch lehne jede weitere Einladung zum Tee ab und begebe mich direkt zu den Checkpoints. Auf syrischer Seite völliges Desinteresse an meiner Person. Frei nach dem Motto, was interessiert es uns wo der Fotograf hingeht. Soweit sogut. Weiter zu den türkischen Checkpoints. Am ersten wird auf meinen Perso geschaut und ich werde durchgewunken, dann der zweite, der Grenzbeamte sagt, ich solle zurück und mir einen Stempel geben lassen. Wie einen Stempel? Verstehe ich jetzt nicht, aber ich gehe zurück und sage dem Beamten, ich brauche einen Stempel. Der schaut mich an, schaut auf den Ausweis schüttelt den Kopf, winkt mich ins Büro und durch eine Tür auf die andere Seite. Also da wo man die Türkei eigentlich verlässt und schickt mich wieder zurück. Dort bei der Passkontrolle schauen sie wieder etwas ungläubig zucken mit den Schultern und lassen mich passieren. Ein Taxi zum Hotel und Fotos bearbeiten und Feierabend.

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